Bahnreisen in der Mark Brandenburg ... Herzberg(Mark) - Neuruppin - Neustadt(Dosse)

" ... oder hieß das "Wanderungen"..? 😉 Na ja - Du weißt schon, Theodor.. Jedenfalls geht diese Reise durch Deine Heimatstadt, und das sollte Dir gefallen.. Ach, sag mal, hat es damals in der Postkutsche auch so gewackelt..?"
Soviel zum 'Zwiegespräch', wie es stattgefunden haben könnte. Theodor Fontane, der große Sohn Neuruppins, hat die Eröffnung dieser Strecke nicht mehr erlebt, am 01. November 1902 konnte man zum ersten Mal mit dem Zug von Neustadt(Dosse) über Neuruppin nach Herzberg(Mark) fahren. Die von der Ruppiner Kreisbahn betriebene Bahn war betrieblich tatsächlich ein 'Stück im Ganzen', durchgehend kilometriert, obwohl sie im Kursbuch zeitlebens fast immer als 2 verschiedene Strecken dargestellt wurde.
Schrittweise war um Neuruppin ein ganzes Netz von Privatbahnen entstanden, die Anfang des 20. Jahrhunderts alle in der 'Ruppiner Eisenbahn AG' aufgingen. Sie brachten der Region Wohlstand, rückten die Welt näher und wurden zum Rückgrat des Verkehrs um Neuruppin.
Das Netz blieb nach dem Zweiten Weltkrieg von Demontagen als Reparationsleistung verschont und konnte weiter betrieben werden. Wie (fast) alle Privatbahnen im Osten Deutschlands wurde die Ruppiner Eisenbahn AG aber enteignet und in 'Volkseigentum' überführt, das Netz kam zur Deutschen Reichsbahn.
In den 1970er Jahren wurden diverse Bahnhöfe auf 700 m Länge ausgebaut, um das Kreuzen langer Militärzüge im Verteidigungsfall zu ermöglichen. Damit einhergehend wurde der Oberbau verstärkt, vielfach war zuvor noch die klassische Kiesbettung anzutreffen gewesen.
Diesem Zweck diente auch der Bau der strategischen Verbindungsbahn von Barsikow über die Hauptbahn Berlin - Hamburg hinweg zum Abzweig Köritz an der 'Brandenburgischen Städtebahn' in Richtung Rathenow, sowie der Löwenberger Kurve auf der anderen Seite, über die man ohne Kopfmachen Richtung Neustrelitz - Ostseehäfen weiterfahren konnte. Es ist überliefert, daß dies in diversen Manövern "erprobt" wurde, regelmäßigen Verkehr sahen diese Strecken nicht. Beide wurden in den Nachwendejahren stillgelegt und demontiert, nachdem das Militär sie für "nicht mehr benötigt" erklärt hatte.
Der Totaleinbruch im Güterverkehr nach der Wende ging natürlich auch an dieser Strecke und dem Ruppiner Netz nicht vorbei. Auch im Reiseverkehr war wie überall ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Trotzdem konnte sich das Netz noch viele Jahre halten, und die Strecke Velten - Neuruppin - Wittstock(Dosse) wurde sogar ausgebaut und wird heute durchgehend von Berlin aus über Wittstock(Dosse) bis Wittenberge betrieben. Der Reiseverkehr zwischen Neustadt(Dosse) und Herzberg(Mark) fiel zum Fahrplanwechsel am 09.12.2006 dann aber doch der Kürzung von Regionaliserungsmitteln zum Opfer, nachdem er die Stillegungswellen der 1990er allesamt erfolgreich abwehren konnte. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte die 'Prignitzer Eisenbahngesellschaft' PEG den Reiseverkehr zwischen Neustadt(Dosse) und Neuruppin übernommen und hätte diesen gern fortgeführt, aber wenn es vom Staat kein Geld gibt, dann gibt es eben für niemand Geld - also konnte das Unternehmen nur aufgeben.
Das Ganze steht heute wieder in einem anderen Licht, nur Konkretes hört man noch nicht.
Die PEG kam dann aber trotzdem wieder zu unserer Strecke, 2010 übernahm sie die Infrastruktur von DB Netz und bringt nach und nach wieder etwas Güterverkehr ins Rollen, im Moment noch eher punktuell, aber das ist entwicklungsfähig. Jedenfalls ist auf diese Weise die komplette Strecke weiterhin betriebsfähig und unterhalten.
Traurig ist, wie es dem einst stolzen Neuruppiner Hauptbahnhof erging, dem gewachsenen Zentrum des Ruppiner Netzes. Dieser wurde mit dem Ausbau der Strecke Kremmen - Wittstock(Dosse) bis auf ein Kreuzungsgleis fast komplett geschliffen, dafür entstand an seinem Westende, etwa in Höhe des ehemaligen Bw, ein neuer Haltepunkt "Neuruppin West'. Ein Fahrzeugeinsatz von Neuruppin aus ist schon seit Jahren Geschichte, Güterverkehr ebenso, es stand dem 'Schleifen' dieses Bahnhofs also de facto nichts mehr 'im Wege'..
Trotzdem muß man im Vergleich zu anderen Strecken im Osten konstatieren - es konnte 'schlimmer kommen'! Eine Relation davon heute mit modernem, zeitgemäßem Nahverkehr, die Andere zumindest betriebsfähig und mit einer gewissen Chance, auch einmal wieder Reiseverkehr zu sehen.
Nun aber geht's auf Reisen in der Mark Brandenburg! Mit dem 628 auf dem Ostabschnitt bis Neuruppin, dann bringt uns die 'Ferkektaxe' nach Neustadt(Dosse). Zumindest ab da wird's wieder 'spannend', gut festhalten..! 😉 Aber nach den ersten ca 10 Kilometern wird's etwas 'gemäßigter'.
Gute Reise!
Daten wie stets aus Wikipedia, soweit nicht aus eigener Kenntnis des Autors.

Пікірлер: 7

  • @lukashilft1662
    @lukashilft16629 ай бұрын

    👍👍👍sieht noch fast so aus, wie zu meiner aktiven Zeit hier Anfang der 1980ziger😇

  • @mariofimmel3665
    @mariofimmel36658 ай бұрын

    Ein Tolles Video und Kindheitserinnerung. Mein Vater hat bis 1995 in Neuruppin als Rangierer im Bahnhof Neuruppin gearbeitet. Jedes Wochenende mit der Ferkeltaxe sind wa nach Dessow gefahren oder auch nach Wusterhausen. Das war so schön.

  • @martindinter7815
    @martindinter78155 ай бұрын

    Hallo Jochen!Auch hier wieder Daumen hoch und Danke!Bis Ende der 90er Jahre habe ich gern mal eine große Runde um Berlin herum gedreht:Oranienburg-Löwenberg-Neuruppin-Neustadt-Rathenow-Brandenburg-Belzig-Berlin.Anschlüsse klappten meist ohne Probleme, es gab sogar teilw. Stundentakt. Heute klaffen leider große Lücken im Streckennetz.

  • @jochenpurschesrocknrailchannel

    @jochenpurschesrocknrailchannel

    5 ай бұрын

    Dankeschön !! 👍

  • @DajanaWittmutz
    @DajanaWittmutz7 ай бұрын

    Normaler Weise müssen die Schranken geschlossen sein, bevor ein Zug in den Bf / Hp einfährt. Da war wohl dem Fdl in Altruppin ein privates Telefonat oder der Kaffee wichtiger

  • @jochenpurschesrocknrailchannel

    @jochenpurschesrocknrailchannel

    7 ай бұрын

    Sorry, aber das sind haltlose Behauptungen! Wenn die Schranke nicht im Durchrutschweg liegt (und das tat sie augenscheinlich nicht), ist es nicht zwingend erforderlich, sie schon bei Einfahrt des Zuges geschlossen zu haben.